Salento und die Tatacoa-Wüste

Am Busbahnhof läuft alles super organisiert ab. Wir bekommen Tickets für den nächsten Bus nach Pereira, der schon in einer Viertelstunde los fährt. Ein bisschen wie am Flughafen, erst eine Sicherheitskontrolle durch die man nur mit Ticket kommt, einchecken für den Bus, der auch super geräumig und bequem ist, sogar mit festen Sitzplätzen. Dafür ist die Fahrt mit 14€ pro Person für kolumbianische Verhältnisse recht teuer, für 6 Stunden entspannte Busfahrt aber hervorragend investiert.

Im Laufe der Fahrt stellt sich leider heraus, dass die 6 Stunden sehr optimistisch geplant sind. Eigentlich sollen wir nach ca. 5 Stunden in Pereira ankommen und den Bus wechseln, die ganze Strecke ist aber eine einzige Baustelle und gegen kurz vor 3 sind es immernoch über 1,5 Stunden bis Pereira. Und dann gibt es auch noch 20 Minuten Pause (in denen wir aber wenigstens entspannt Zeit für Kaffee und ein Eis haben). Außerdem nutzen wir die Zeit auch endlich, um einen Mietwagen in San Diego zu buchen.

Bis wir dann endlich in Pereira sind, ist es kurz vor 5, dafür erfahren wir, dass wir den Bus gar nicht wechseln müssen, was natürlich auch entspannt ist. Gegen 6 kommen wir dann endlich, nach über acht Stunden Fahrt, in Salento an und laufen in unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte, Hospedaje Vista Hermosa. Dort beziehen wir unser nettes kleines Zimmer und warten einen Moment bis der Regen aufhört. Dann geht es wieder zurück in das süße Städtchen zum Abendessen. Wir gehen zu Angel Veggie Bistro, wo es super viele leckere vegetarische Gerichte gibt. Wir teilen uns eine Gemüsesuppe als Vorspeise, die wir sogar in zwei kleineren Tellern serviert bekommen. Danach gibt es für mich ein pakistanisches Gericht mit Mangold und für Marcus Tikka Veggie. Alles schmeckt super lecker und der Kellner ist einfach total putzig und strahlt übers ganze Gesicht. Auf dem Rückweg zum Hostel stoppen wir noch beim Supermarkt und besorgen Wasser und ein paar Snacks, heute Abend gibt es nämlich noch die neueste Bergdoktor-Folge!

Am nächsten Morgen wird erstmal ganz entspannt ausgeschlafen. Zum Glück ist die Erkältung schon besser und wir hoffen, dass sie uns diesmal nicht ganz so lang beglückt. Wir frühstücken erstmal ganz entspannt mit Blick auf die schönen grünen Hügel, machen uns fertig und laufen in Richtung der vielen Kaffeefarmen, für die Salento bekannt ist.

Der Weg dorthin ist schon super schön und wir genießen immer wieder atemberaubende Blicke auf das Tal. Dann legen wir eine Pause im „El Rincón de Lucy Campestre“ ein. Ich habe schon wieder einen Mordshunger, deshalb teilen wir uns das vegetarische Tagesmenü. Und das ist wirklich das Beste, was wir seit langem gegessen haben und das mit Getränken unf Trinkgeld für nichtmal 6€. Ich wusste nicht, dass beispielsweise Rührei überhaupt so gut schmecken kann. Und der Ausblick ist auch ein Traum, eine bessere Mittagspause könnten wir uns nicht vorstellen.

Danach geht es weiter in Richtung Kaffeefarmen, wo wir direkt zu „Don Elias“, der ältesten Kaffeefarm der Umgebung, gehen und dort nach einer Kaffeetour fragen. Wir müssen etwas warten, können uns aber derweil schon einmal umschauen und das kleine Gelände erkunden. Dann geht die Tour los und wir lernen super viel über Bio-Anbau, Ernte, Trocknung, Röstung und den Mahlprozss des Kaffees. In Kolumbien werden nur Arabica-Bohnen angebaut und das in vier verschiedenen Sorten. Eine große Herausforderung stellt der Klimawandel dar, aufgrund dessen die Ernte im letzten Jahr nur halb so gut ausgefallen ist wie in den vorangegangenen Jahren (vor allem weil es viel mehr regnet als üblich). Zum Abschluss gibt es noch eine ganz frische Tasse Kaffee für jeden, die wirklich super lecker schmeckt. Deshalb kaufen wir uns auch noch eine kleine Packung als Andenken, die kriegen wir hoffentlich noch in unseren vollen Rucksäcken unter.

Anschließend geht es wieder zurück nach Salento. Unterwegs kommen wir noch an einem Aussichtspunkt vorbei und gönnen uns, nach Ankunft in Salento, einen Brownie mit Eis. Dann geht es zurück in die Unterkunft, unter die Dusche und zum Essen wieder zurück in die Stadt.

Heute entscheiden wir uns für den vegetarian butcher, wo es für mich eine Pizza und für Marcus eine vegetarische Lasagne gibt. Super lecker und vor allem richtig süß auf dem Balkon. Danach wollen wir uns noch im Tejo ausprobieren, einen über 500 Jahre alten kolumbianischen Sport, wo man mit einem Stahlklumpen auf eine Fläche mit kleinen Schießpulverbeuteln wirft und versucht, diese damit zum explodieren zu bringen. 4 Stück liegen auf einem Stahlring, den man natürlich treffen muss. Der, der pro Runde näher am Ring ist, bekommt einen Punkt. Für eine expoldierende Kammer gibt es 3 Punkte, wenn der Stein in der Mitte des Rings liegen bleibt 6 Punkte und gewonnen hat, wer zuerst 21 Punkte hat. Die wichtigste Regel ist natürlich, dass man dabei Bier trinkt 😀. Das macht auf jeden Fall super viel Spaß und hier und da knallt es auch mal ordentlich.

Die nächste Nacht ist dann gar nicht allzu lang, weil wir noch ein bisschen Orgakram erledigen und recht spät schlafen. Der Wecker klingelt dann schon wieder um 8, da heute endlich mal wieder eine Wanderung ansteht. Das Wetter ist sogar noch besser als gestern und wir genießen das Frühstück mit einem herrlich sonnigen Ausblick. Dann geht es zur Plaza Bolívar, wo wir die Tickets für die Fahrt mit dem Jeep zum Startpunkt der Wanderung besorgen. Ein paar Minuten später geht es auch schon los, wir sitzen nicht drin sondern stehen hinter der Ladefläche auf einem Trittbrett, ganz schön abenteuerlich aber super spaßig! Mit uns fährt eine kolumbianische Großfamilie, die einen Mordsspaß hat, da kann man nur mitlachen 😀.

Nach einer halben (zum Glück unfallfreien) Stunde kommen wir an und wandern los. Das Wetter ist herrlich und die Wanderung ist traumhaft schön. Wären nicht die zahllosen Palmen, könnte man meinen man läuft durch die Alpen. Super schöne, sattgrüne Wiesen und Kühe neben den Wegen. Dann geht es in den Wald, wo wir an einem Bach entlang laufen und diesen immer wieder über Hängebrücken überqueren. An einer Abzweigung laufen wir noch zu einer Finca, wo man für ein paar Euro ganz viele Kolibris sehen kann und noch eine heiße Schokolade bekommt.

Dann geht es wieder ein Stück zurück und zum höchsten Punkt der Wanderung, der immerhin auf 2.900m liegt. Leider zieht es etwas zu, trotzdem haben wir einen tollen Blick. Dann geht es wieder bergab und es gibt zahlreiche Aussichtspunkte auf das Cocora-Tal, weshalb wir ja eigentlich hier sind. Hier wachsen Quindío – Wachspalmen, die höchsten Palmen der Welt, die bis zu 60m hoch werden. Total beeindruckend, wie riesig die sind. Wir laufen in das Tal hinab und die Palmen sind überall, super beeindruckend. Als wir unten ankommen, fängt es dann auch leicht an zu regnen und als wir an der Schlange für die Jeeps ankommen, trifft uns fast der Schlag, die ist einfach riesig. Und das, wo ich doch schon so einen Hunger habe 😔.

Eineinhalb Stunden später (teilweise mit Regen und ein bisschen durchgefroren) sitzen wir endlich in einem Jeep nach Salento. Da wir aber auch einen riesen Hunger haben gehen wir direkt wieder zu Angels Veggie Bistro. Zum aufwärmen gibt es erstmal Gemüsesuppe und danach für Marcus eine venezualiasche Gemüsepfanne und für mich kolumbianischen Reis mit Gemüse. Wieder super lecker und nach der Suppe ist uns glücklicherweise auch schon wieder warm. Auf dem Heimweg besorgen wir noch etwas Proviant für morgen, bevor es mal wieder zum packen ins Hotel geht.

Die neue Woche startet für uns mal wieder mit einem Reisetag. Um halb 8 klingelt dazu der Wecker und wir frühstücken ein letztes Mal mit dem tollen Bergblick. Danach laufen wir zum Bus, mit dem wir zuerst eine knappe Stunde nach Armenia fahren. Dort steigen wir um in den Bus nach Neiva, der schon 20 Minuten verspätet losfährt. Das ist wieder ein ganz schön langer Ritt, für die 282km brauchen wir am Ende 6 Stunden, aber immerhin mit schönen Blicken. Von Neiva aus geht es dann mit einem Jeep noch einmal nach Villavieja, wo wir für die nächsten drei Nächte im Cosmos Tatacoa Hotel unterkommen. Dort checken wir ein und steuern direkt das nächste Restaurant an, in dem wir etwas vegetarisches finden. Das ist das Desert Gardens, wo es für mich ein vegetarisches Omelette und für Marcus Pasta mit Gemüsesoße gibt. Danach holen wir uns noch ein Eis und schlendern zurück zum Hotel, wo ich tatsächlich mal wieder ein Workout mache (😍) nach dem vielen Sitzen heute und wir frisch geduscht und platt ins Bett fallen.

Am nächsten Morgen geht es in die Wüste! Also genau genommen keine Wüste, sondern ein semiarider tropischer Trockenwald. Der Einfachheit halber bleibe ich aber bei Wüste, es heißt schließlich auch im spanischen Desierto de la Tatacoa. Zuerst wird aber natürlich entspannt gefrühstückt, dann laufen wir ins Dorf, besorgen uns noch etwas Wasser und fahren auf einem Motorrad zum Eingang der roten Wüste. Die ist richtig schön, wir laufen etwa zwei Stunden durch die verrückten Formationen und schwitzen, was das Zeug hält. Ich merke mal wieder, dass Hitze einfach nicht mein Element ist, beeindruckend ist es aber trotzdem.

Danach gibt es eine kurze Getränke- und Verschnaufpause, bevor wir weiter in die graue Wüste fahren. Obwohl es nur ein paar Kilometer zwischen den beiden Wüsten sind, sieht diese total anders aus. Das Beste ist, dass es am Ende des kleinen Rundwegs ein Schwimmbad gibt☺️. Das Wasser kommt aus einer Quelle, super verrückt, mitten in der Wüste. Nach der willkommenen Abkühlung im „Los Hoyos“ gibt es noch eine Oblate. Die werden hier an jeder Ecke gegessen und bestehen aus einer Karamellcreme, salzigem Käse, Haselnusskrokant und Zuckersirup. Das schmeckt erstaunlich lecker! Nach einem zweiten kurzen Bad geht es dann wieder zurück zum Hotel.

Wir sind ganz schön platt, die Hitze und die Sonne merkt man doch ganz ordentlich. Im Hotel gibt es daher noch ein entspanntes kaltes Getränk, da wir aber einen riesen Hunger haben, gehen wir direkt weiter in den Ort zum Abendessen. Wir entscheiden uns für Roosty Pizza, wo wir uns eine riesige vegetarische Pizza teilen. Die ist tatsächlich so groß, dass wir nicht mal alles schaffen. Ich weiß nicht, wann mir das mal passiert ist 😀. Dann geht es pappsatt zurück ins Hotel, für ein kleines Eis untwegs ist aber glücklicherweise noch Zeit (und Platz im Bauch😃). Im Hotel angekommen springen wir dort noch einmal kurz in den Pool, so ein super Tag, der uns aber auch ganz schön geschafft hat.

Am nächsten Morgen wird endlich mal wieder ausgeschlafen. Dann gibt es ganz entspannt unser Frühstück, bevor wir uns für unseren heutigen Ausflug fertig machen. Dazu geht es zunächst ins Dorf und dann mit dem Mototaxi zum Piscilodo. Übersetzt „Schlammbad“ und das trifft es auf den Punkt 😀. Es gibt ein Becken mit Schlamm, dort verweilt man für 15 Minuten, bevor man den Schlamm abspült und in ein natürliches Becken gehen kann. Super gut und super entspannt! Nach 2 Runden und 2 entspannten Stunden lassen wir uns mit dem Mototaxi zurück ins Hotel fahren.

Dort verputzen wir die restliche Pizza von gestern und haben dann ein Skype-Date. Wie immer ist das sehr schön, mal wieder ein bisschen Kontakt in die Heimat zu haben. Danach springen wir nochmal kurz in den Pool (es ist einfach wahnsinnig heiß), bevor wir uns fürs Essen fertigmachen. Dann geht es ins Dorf, wo wir heute bei Salsipuedes essen wollen. Nach zwei leckeren Säften gibt es einen Veggieburger für Marcus und Gemüsereis mit Tofu für mich. Wir besorgen uns noch schnell ein Eis, bevor es satt und glücklich mit dem Mototaxi noch einmal in Richtung Wüste geht, diesmal ins Observatorium. Dort schauen wir uns Venus, Jupiter und Orion durch Teleskope an und bekommen dann noch eine Stunde einen Leitfaden fürs Sterne lesen, Ortsbestimmung und allerhand andere Informationen an die Hand. Danach geht es wieder zurück ins Hotel, wo wir mal wieder packen und platt ins Bett fallen.

Am nächsten Morgen gibt es ein letztes Frühstück in Villavieja. Wir fragen nach dem Colectivo, was dann schon zehn Minuten später kommen soll. Also packen wir rekordverdächtig unsere restlichen Sachen und steigen eine Viertelstunde später in das Colectivo nach Neiva.

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