Volunteering bei COPROT – Woche 1

Schon die Anreise ist abenteuerlich. Wie wir das auch schon aus Nicaragua kennen, wurden auf die Ladefläche eines Jeeps einfach zwei Bänke an den Seiten geschraubt. Die sind natürlich nur ein paar Zentimeter über dem Boden, sodass man nicht wirklich bequem sitzt. Auf den beiden Bänken sind wir zu neunt, also eine recht kuschelige Angelegenheit 😀. Aber immerhin sind alle reingekommen und es geht pünktlich auf die Minute los. Nach guten 1,5 Stunden Fahrt kommen wir an und laufen den letzten Kilometer zum Park. Dort werden wir von Caroline begrüßt und herumgeführt und bekommen das Camp erklärt. Um 10 Uhr gibt es ein Teammeeting, wo wir den Plan für diese Woche vorgestellt bekommen, außerdem lernen wir alle anderen kennen und bekommen noch eine Einführung über den Hintergrund des Camps, Sicherheitshinweise und anderen organisatorischen Kram.

Dann quatschen wir eine Weile mit einigen anderen aus dem Camp, bis es um 12 Mittagessen gibt. Nachdem wir schon seit einigen Stunden wach sind, haben wir auch ordentlich Hunger! Jeden Tag sind 2-3 andere fürs Kochen (Mittag- und Abendessen) zuständig, wir sind diese Woche am Mittwoch an der Reihe. Heute gibt es Reis mit einer Soße aus Linsen, Mais und Champignons. Das schmeckt und ist eine super Stärkung. Nach dem Mittagessen haben wir eine kurze Pause, lernen wir etwas über die PHIs, die am Nachmittag stattfinden. Dann geht es auch direkt mit einem Praxisbeispiel los und wir laufen zum Strand. Dort lernen wir den ganzen Ausgrabungsprozess und sehen sogar die erste überlebende Babyschildkröte, die wir dann ins Wasser schicken. Insgesamt buddeln wir drei Nester aus, werten diese ein und gehen zurück zum Camp. Dort warten wir dann aufs Abendessen, wir haben einen riesen Hunger! Heute gibt es Nudeln mit Kichererbsen und Zucchini, was auch super lecker ist ☺️. Danach quatschen wir noch ein bisschen mit den Anderen, bevor wir recht früh und sehr müde in unser Bett fallen. (Wir haben sogar ein Doppelbett bekommen, so ein Luxus! 😍).

Exkurs – COPROT und der dortige Tagesablauf

COPROT ist die Abkürzung für Comunidad Protectora de Tortugas de Osa. Osa ist der Name der Halbinsel, wo sich das Projekt befindet. Eins der Hauptziele des Projektes ist es, die örtliche Community mit einzubinden. Dazu gibt es immer wieder gemeinsame Veranstaltungen, am Donnerstag verteilen wir zum Beispiel Geschenke an die Kinder. Ansonsten gibt es Spielenachmittage, Englischkurse, Kunstprojekte und vieles mehr. Daneben geht es natürlich auch um die Schildkröten. Der Strand, um den sich das Projekt kümmert, ist einer der schildkrötenreichsten der Region. Es gibt Nacht- und Morgenpatroullien, bei denen die Eier geschützt werden (nachts) oder geschaut und erfasst wird (morgens), ob alle Schildkröten geschlüpft sind oder nicht ob verletzte Schildkröten am Strand sind, die medizinische Hilfe benötigen. In dieser Woche erwarten uns zwei Nachtpatroullien (ca. 21-1 Uhr) und eine Morgenpatroullie (ca. 5-9 Uhr). Am Nachmittag werden dann die Erkenntnisse der Morgenpatroullie dokumentiert und eingewertet und es gibt PHIs (Post hatch inspesctions), „Ausgrabungen“ derjenigen Nester, die über dem Schlüpfdatum sind und/oder wo Spuren von Babyschildkröten zu sehen sind. Dort werden dann die zerbrochen Eierschalen, die toten Babyschildkröten und die verbleibenden Eier gezählt. Die Eier werden dann geöffnet und geschaut, in welchem Stadium die Schildkröten darin waren. Zwischen den „Arbeitsaktivitäten“ (die man aber nicht immer jeden Tag gleich hat) gibt es ein paar Programmpunkte mit der Gruppe und (selten) Freizeit. Außerdem hat jeder jeden Tag eine kleine Aufgabe (abspülen, Müll, Bad putzen etc.). Es wird also nicht langweilig ☺️.

Am nächsten Morgen finden wir erstmal eine Schlangenhaut neben unserem Bett . Einer der Assistenten hier kennt sich ein bisschen mit Schlangen aus und meint, dass sie schon älter ist. Die hing wohl im Dach und ist heute morgen einfach runtergefallen. Wir sind halt mitten im Dschungel hier 😀. Dann geht es zum Frühstück wo wir ein leckeres Porridge verputzen und anschließend zum Strand gehen, wo heute morgen Pumaspuren im Sand entdeckt wurden. Die sind ganz schön groß! (Später war klar, dass es doch nur Tapirspuren sind 😄). Nach dem Zähneputzen steht mit „plastic“ der erste Programmpunkt gut heute an. Skye und Hannah aus Wales sind deswegen hier. Sie organisieren Beach Clean Ups und sortieren den dabei gefundenen Müll. Bestimmte Plastiksorten (beispielsweise Plastikdeckel von Flaschen und Waschmittel) werden dann farblich sortiert und gereinigt. Danach werden Sie erhitzt und zu neuen Schalen oder Ohrringen gepresst. Total cool! Die eine Maschine ist leider momentan kaputt und die andere verliehen, deshalb schrauben wir erstmal die Deckel von den gefunden Flaschen und machen diese Ringe unter dem Deckel ebenfalls ab. Das dauert auch nur eine halbe Stunde, deshalb ist noch ein bisschen Zeit zum Lesen, bevor es heute eine asiatische Reispfanne, Krautsalat und frittierte Yukka gibt. Das schmeckt super lecker und alle sind begeistert. Um kurz vor 3 starten wieder die heutigen Ausgrabungen mit uns. Am Ende des Strands, der Weg ist ganz schön weit und mit dem Sand ist dir Strecke ganz schön anstrengend. Unterwegs sammeln wir den Müll am Strand auf (wenn wir schonmal da sind). Unterwegs finden wir leider eine tote, erwachsene grüne Schildkröte. Wir schauen uns dann drei Nester an, von denen wir eins nicht finden können und zu den anderen beiden in zwei Tagen nochmal wiederkommen, weil die Babys noch nicht fertig entwickelt sind. Trotzdem sind sie schon super süß!

Zurück im Camp geben wir die zwei vollen Müllsäcke ab und lesen bis zum Abendessen. Heute gibt es Reis mit Tomatenragout, Salat und Bratkartoffeln. Wieder super lecker! Dann sitzen wir noch etwas zusammen, bevor wir zu unserer ersten Nachtpatroullie aufbrechen. Wir laufen einmal zum Ende des Strands und zurück. Dabei sehen wir zwei Olive Ridleys, die erste beginnt gerade mit dem Nestbau, die zweite ist schon fertig. Daher gibt es für uns leider nichts zu tun. Nach 4 Stunden sind wir wieder zurück im Camp, springen schnell unter die Dusche (wegen der Sandfliegen ist lange Kleidung sinnvoll und wir schwitzen ohne Ende) und schlafen sofort ein.

Am nächsten Morgen machen wir uns Arepas (kleine kolumbianische salzige Pancakes aus Maismehl) mit Spiegelei zum Frühstück. Wir sitzen noch eine Weile in der Küche und fangen um halb 11 an zu kochen, da wir heute dran sind. Mit Hannah zusammen zaubern wir einen Asia-Nudelsalat, der sehr gut ankommt. Danach entspannen wir erstmal eine Runde, bevor um halb 3 wieder die nächste PHI ansteht.

Marcus und ich drehen allerdings heute schon nach dem zweiten Nest wieder um, weil wir zum Abendessen Chili sin Carne kochen. Das dauert ganz schön lang, weil die Bohnen eine halbe Ewigkeiten brauchen, bis sie gar sind. Nach dem Abendessen räumen wir auf und gehen direkt ins Bett, der Tag war ganz schön Anstrengend!

Außerdem klingelt der Wecker auch schon um viertel vor fünf, heute steht nämlich unsere erste Morgenpatroullie an! Nach einem schnellen Kaffee geht es los, sobald es hell ist. Das Nest einer grünen Schildkröte (die sind vom Aussterben bedroht) wurde leider heute Nacht geplündert. Da hat die Nachtpatroullie umsonst 2,5 Stunden Eier gezählt 😔. Ansonsten gibt es leider nicht so viel zu sehen, aber wir sehen lauter kleine Fußspuren von Babyschildkröten, die ins Wasser gelaufen sind. Total putzig!

Im Anschluss gibt es erstmal ein richtiges Frühstück, heute mal wieder Bananen-porridge. Nach einem entspannten frühen Morgen steht heute wieder Plastic an, wo wir Weihnachtsdeko basteln. Wir werden nicht ganz fertig, aber einiges sieht schon ziemlich gut aus! Danach gibt es Spaghetti mit Gemüsesoße und Salat zu Mittag, auch wieder wahnsinnig lecker. Später gibt es sogar noch Bananenbrot, ein Fest! Wir fegen noch schnell die Küche und machen uns für die nächste PHI fertig. Heute geht es an den Strandabschnitt, Rio Oro. Dort fuhren wir Ausgrabungen von vier Nestern durch, leider nicht so erfolgreich. Als wir zurückgehen ist es schon recht spät (wir sehen sogar einen tollen Sonnenuntergangs), und auf einmal sehen wir Babyschildkröten, die auf dem Weg ins Meer sind! Unfassbar putzig. Wir bleiben eine Weile dort, um sie vor den Vögeln zu beschützen, die schon ein paar gefressen haben. Irgendwann müssen wir aber leider zurück, weil es dunkel wird und wir außerdem zum Essen zurück sein müssen.

Kurz vor dem Abendessen kommen wir zurück und genießen spanische Linsen mit Reis (mega gut, das merken wir uns!) und das anschließende Gespräch mit den anderen Campbewohnern, bevor wir wieder totmüde ins Bett fallen.

Am nächsten Morgen schlafen wir aus (😍), was bei mir allerdings halb 7 heißt. Also lese ich etwas in der Hängematte, bevor Marcus auch wach ist und wir heute Bananenpancakes mit Erdnussbutter frühstücken. Danach gibt es die nächste Mission, wir ziehen unsere Wichtel für übermorgen und bereiten unsere Geschenke vor. Da wir hier mitten im nirgendwo sind können wir natürlich nichts kaufen, sondern es muss etwas kostenloses sein. Man wird auf jeden Fall kreativ 😀. Danach geht es künstlerisch weiter und wir basteln unseren Weihnachtsbaum von gestern fertig.

Danach fahren/laufen fast alle zu einer Weihnachtsfeier für die Kinder im nächsten Dorf, wir müssten allerdings laufen und haben keine Lust, deshalb bleiben wir im Camp. Außer uns sind nur Hannah und Skye da, also gibt es für uns vier Kichererbsen-Nudelsalat in himmlischer Ruhe. Wir quatschen noch eine halbe Ewigkeit, bevor auch die ersten anderen zurückkommen. Heute gibt es für uns keine PHI, sondern die Sektorposten-Erneuerung. Dazu wird reflektierendes Tape an die Posten geklebt und anschließend mit einem Nagel gesichert. Das dient dann als Basis zur Lokalisierung der Nester, die man auch im Dunkeln besser sieht. So laufen wir dann einmal den Strand hoch und wieder zurück und kommen rechtzeitig zum Abendessen zurück, wofür heute leckerer Curryreis mit Bohnen, gezaubert wird. Die Danach geht es dann für uns auch schon wieder ins Bett, man ist hier irgendwie jeden Abend super müde.

Dafür wacht man dann auch um einiges früher auf und so haben wir vor 9 schon leckeres Porridge gefrühstückt. Danach erledigen wir ein paar Weihnachtsanrufe und entspannen etwas in den Hängematten. Optional hätten wir auch auf den Jungle Walk gehen können, aber das war uns doch zu viel Lauferei, da heute auch noch die PHI für uns ansteht und die Nachtpatroullie. Zum Mittag gibt es dann Reis mit Ei und Salat, natürlich wieder sehr lecker. Zur PHI müssen wir dann doch nicht mit, was wir dankend annehmen und noch etwas in den Hängematten bleiben. Zum Abendessen gibt es eine Planänderung und wir fahren zusammen zu einer Bar um die Ecke, wo eine kleine Party veranstaltet wird. Dort gibt es kaltes (!) Bier, leckeres Essen und Musik mit Beleuchtung, hätte man mitten im Dschungel auch nicht erwartet. Wir kennen leider die Musik nicht, trotzdem ist es super cool und wir tanzen ein bisschen. Um halb 9 fahren die fünf, die für die Nachtpatroullie eingeteilt sind, aber schon wieder zurück. Wir ziehen uns um und dann geht es auch schon los. Wir sehen einige Spuren von Schildkröten, die aber schon fertig genistet haben und schon zurück im Meer sind, schließlich sehen wir aber eine Olive Ridley, die ihr gerade buddelt. Super spannend und faszinierend. Marcus darf Eier zahlen, während ich bei Vermessung der Position des Nestes helfe. Danach messen wir beide sogar die Maße der Schildkröte, total aufregend! Danach passiert nicht mehr allzu viel spannendes, wir haben aber noch super interessante Gespräche auf dem Rückweg zum Camp und ich sehe drei Sternschnuppen! Der Nachthimmel ist absoluter Wahnsinn hier. Danach geht es dann nur noch unter die Dusche und ins Bett, was ein besonderer und wundervoller Heiligabend! ☺️

Am nächsten Morgen schlafen wir wieder aus und gönnen uns Eier mit Toast zum Frühstück. Außerdem brate ich noch eine Kochbanane und es ist auch noch ein Pancake übrig, den wir verputzen. Ein üppiges Weihnachtsfrühstück also. Danach wird das Weihnachtsessen zubereitet, jeder der Lust hat kann noch etwas landestypische zubereiten. Wir entscheiden uns für Plätzchen, was aber gar nicht so einfach ist ohne Waage, Ofen und alles was man sonst so in der Küche hat. Es dauert alles etwas länger, aber schließlich bin ich mit dem Teig zufrieden und schneide Sterne, Monde und Tannenbäume. Nebenbei singt Chris aus Manchester, der eine Oma aus Österreich hat und ein paar Worte Deutsch kann „Oh TanTenbaum“ (das werde ich ab jetzt auch nur noch so singen und die anderen tanzen und kochen zu spanischer Musik. Ein total anderes Weihnachten, aber super cool.

Nachdem wir fleißig gebacken haben, sind erstmal ein paar entspannte Minuten in den Hängematten angesagt. Dabei starten uns Totenkopfäffchen, Tukane und ein Loro einen Besuch ab. Total cool, wir müssen nichtmal die Hängematte verlassen um sie beobachten zu können.

Gegen halb 4 gibt es dann das große Weihnachtsessen. Es gibt Yukka (gekocht), frittierte Plátanos, verschiedene Salate, Bohnenmus, für die Nicht-vegetarischen unter uns Hühnchen und dazu selbstgemachte Zitronenlimo. Zum Nachtisch gibt es dann unsere Plätzchen mit Zimtsirup, ein super leckeres Weihnachtsessen. Danach wird gewichtelt. Es ist super schön, wie viel Arbeit sich alle gemacht haben und es gibt richtig tolle Geschenke. Marcus und ich bekommen beide eine Kette mit einem Stein aus dem naheliegenden Fluss und eine kleine selbstgemachte Karte. Wir freuen uns sehr, eine super schöne Erinnerung an unsere Zeit hier.

Nachdem alle etwas gerührt sind wie viel Mühe sich jeder gegeben hat, gibt es noch einen Kaffee, den wir zusammen am Strand zum Sonnenuntergang trinken. Ben aus der Runde spielt sogar Gitarre und so haben wir eine super schöne Zeit. Dann geht es zurück ins Camp wieder zurück ins Camp, wo wir noch ein paar Spiele spielen und ein paar Reste essen.

Wir sind super dankbar, dass wir hier so ein schönes Weihnachtsfest erleben dürfen, fühlen uns total wohl und haben tolle Menschen um uns. Über Weihnachten zu volunteeren war definitiv die richtige Entscheidung, wenn es natürlich trotzdem ein bisschen komisch ist bei 30° im Schatten und wir unsere Liebsten Zuhause natürlich ein kleines bisschen vermissen.

Hinterlasse einen Kommentar