Nach genau 4 Wochen in Nicaragua fällt es mir immer noch super schwer dieses Land in Worte zu fassen. Zuerst hatten wir natürlich einen ganz schönen Kulturschock. Vom komfortablen Reisen mit dem Mietwagen, in einem westlichen Land, wo wir uns mit englisch super verständigen konnten nach Zentralamerika, wo das Thermometer selbst nachts noch knapp 30° zeigt, der Rucksack immer geschleppt werden muss und man ohne spanisch nicht weit kommt.
Daran haben wir uns aber glücklicherweise schnell gewöhnt und schon nach 2-3 Tagen konnten wir unsere Zeit in Nicaragua genießen. Die Nicas sind super nett und hilfsbereit (mir hat zum Beispiel eigentlich immer jemand den Rucksack abgenommen und ihn im Bus verladen) und sehr gastfreundlich. Außerdem geht es hier entspannt zu, auch wenn die Busse immer pünktlich sind. Das Wort, was man hier am häufigsten hört, ist „tranquilo“ 😀. Natürlich sind die Leute hier größtenteils sehr arm (ein Großteil der Bevölkerung lebt von unter 2$ pro Tag), aber irgenwdie hat man das Gefühl dass sie trotzdem zufrieden sind. Die Einstellung der Nicas zum Leben ist bewundernswert, wenn nach dem Hurricane alles verwüstet ist zucken sie mit den Schultern und sagen „naja, dann bauen wir es wieder auf“. Uns wurde hier immer wieder bewusst, wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht. Trotzdem gab es natürlich auch die ein oder andere Situation, wo wir ordentlich über den Tisch gezogen wurden und ein vielfaches an Situationen, wo sie es versucht haben. Gehört aber wohl auch irgendwie dazu und wir haben auf jeden Fall daraus gelernt. Das einzig wirklich unschöne in Nicaragua ist die aktuelle politische Situation. Bei der letzten Wahl wurden wohl unheimlich viele geschmiert und erpresst, sodass es sich eigentlich nicht um faire Wahlen gehandelt hat. Seitdem werden Aufstände einfach niedergeschlagen und alle, die „stören“ einfach verhaftet. Generell spielt hier leider Korruption eine große Rolle, was man auf den ersten Blick nicht merkt, aber viel zwischen den Zeilen lesen kann.
Jedes Mal ein kleines Abenteuer ist der Verkehr. Wir haben uns vor allem mit den Chickenbussen fortbewegt, was oft sehr warm, klebrig und lang war, am Ende immer gut funktioniert hat. Mit 1-2€ pro Fahrt auch wirklich erschwinglich. Auch Taxis haben für uns immer recht gut funktioniert, obwohl man da höllisch aufpassen muss, dass man nicht einen horrenden Preis bezahlt. Verrückt ist auch, dass wir in unseren 4 Wochen hier ganze 2 Ampeln und ein paar Stoppschilder gesehen haben, wieder ein ganz schöner Kontrast zu dem Schilderwahnsinn in Deutschland 😀. Auch die Preisgestaltung hier ist etwas seltsam. Für ein günstiges Abendessen in den kleinen lokalen Comedors zahlt man nur ein paar Euro, in den touristischeren Restaurants aber schon mal deutsche Preise. Taxis sind vor allem an den touristischeren Orten (für Touris) auch etwas teurer. Der Roller auf Ometepe war für 15$ pro Tag eigentlich mit am coolsten. Die Touren, die wir gemacht haben (Canyoning, Kayak fahren, Vulkanwanderung und Ziplining) sind auf jeden Fall günstiger als bei uns und in Costa Rica, weshalb wir das hier schonmal mitgenommen haben. Was uns wirklich überrascht hat war der Preis fürs Wäsche waschen. 1$ pro Pfund schlägt dann schon ganz schön ins Reisebudget, aber was soll man machen. Da sind wir mal gespannt wie teuer das jetzt in Costa Rica wird.
Unsere Unterkünfte waren so verschieden, wie das Land es auch ist. Wir waren in tollen Hostels und haben viele andere Reisende kennengelernt, hatten aber auch ganz andere Unterkünfte, wie unser Baumhaus am Anfang. Alle Unterkünfte waren wirklich schön (Ometepe mal ausgenommen, das war eher abenteuerlich). Man darf nur keine europäischen Standards erwarten, wir hatten seit Kanada keine warme Dusche mehr (was aber nicht weiter schlimm ist bei den Temperaturen hier) und die Fenster bestehen auch meistens nur aus Fliegengittern, weshalb man ziemlich viel vom drumherum mitbekommt, wie beispielsweise die Hunde und die Partys nachts und die Vögel am Morgen.
Am meisten begeistert hat uns aber natürlich wieder die Natur. Nicaragua hat hier unheimlich viel zu bieten. Vom Canyon im Norden, über die majestätischen Vulkane, wahnsinnig viele Wälder, die Karibik -und Pazifikküste bis hin zu netten Städtchen und den Inseln. Wir hätten nicht gedacht, dass wir hier so viele coole Wanderungen und Ausflüge unternehmen können und das Land so vielseitig ist. Entgegen unseren Befürchtungen haben wir uns auch nie unsicher oder unwohl gefühlt und würden Nicaragua als Reiseland sofort weiterempfehlen. Gerade weil es noch nicht so touristisch ist, bekommt man das Gefühl, die Kultur und die Menschen wirklich kennenzulernen, was unheimlich schön ist.
