Im Mai 2018 starteten wir in unsere erste gemeinsame Hüttenwanderung in der hohen Tatra.
Fakten:
5 Tage
64 km
28 Stunden auf den Beinen (wir konnten aber nicht die ursprünglich geplante Route laufen)
4800hm Aufstieg, 4300hm Abstieg
4 komplett unterschiedliche Unterkünfte, vom Wellnesshotel bis zur Hütte ohne Dusche
Saison: 15.06. bis 01.11., außerhalb dieses Zeitraums nicht zu empfehlen, da einige Wanderwege gesperrt und (je nach Wetter) nicht nutzbar sind
Nach unserem Flug nach Krakau verbrachten wir zwei halbe Tage in dieser traumhaft schönen Stadt. Krakau hat sehr viel zu bieten, über nette Restaurants, historische Prachtbauten , eine traumhafte Lage an der Weichsel bis hin zu riesigen Einkaufszentren, in welchen man günstig einkaufen kann.

In Krakau kann man super abhängen… 
… und mit einem tollen Blick Piroggen genießen!
Es lohnt sich definitiv, hier 2-3 Tage einzuplanen und die Atmosphäre der Stadt zu genießen. Von Krakau aus ging es direkt mit einem Kleinbus nach Tatranská Lomnica, was sich schon auf der slowakischen Seite der Hohen Tatra befindet. Dort verbringen wir eine letzte Nacht in einer Pension, bevor es dann am nächsten Tag ernst wird!
Tag 1 – Tatranská Lomnica -> Zelenom Plese Nach einem ordentlichen Frühstück starten wir direkt in die Berge. Am ersten Tag warten knapp 1400 Höhenmeter auf uns, bis wir am wunderschönen Bergsee Zelenom Plese ankommen sollten. Wir haben tolles Wetter, die Sonne scheint und die Beine sind noch frisch, auch wenn die ungewohnte Last (ca. 13 kg) auf den Schultern etwas ungewohnt ist und gerade bei steilen Stücken gut zu spüren ist. Da es Samstag ist und viele Einheimische vom Tal aus Tagestouren in der hohen Tatra unternehmen, treffen wir einige Wanderer unterwegs, auch in der Hütte ist viel los. Ohne Pausen haben wir heute etwa 5,5 Stunden gebraucht, was uns für den ersten Tag ganz gut erscheint. Und es gibt sogar lauwarme Duschen! Da es heute zwischenzeitlich ziemlich warm war freuen wir uns darüber natürlich besonders. Am späten Nachmittag leert sich der Speisesaal der Hütte merklich, es bleiben ca. 15 Leute übrig, die mit uns das leckere Gulasch am Abend einnehmen. Nach ein paar Runden Kniffel geht es für uns dann schon in unsere Stockbetten, wir haben die nächsten Tag ja noch einiges vor!

Tag 2 – Zelenom Plese -> Téryho chata Auch heute wartet wieder ein langer Aufstieg auf uns, auch wenn er mit knapp 1.100 Höhenmetern und 12 Kilometern nicht ganz so anstrengend ist wie der Vortag – denken wir jedenfalls. Wir merken schnell, dass wir jetzt auf keinem „Wochenendweg“ mehr sind, gerade auf den höher gelegenen Abschnitten des Weges treffen wir nur alle paar Stunden andere Wanderer. Bereits der erste Anstieg hat es in sich, wir überqueren eine Reihe von Schneefledern und legen die ersten Höhenmeter zurück, bevor es lange relativ eben bleibt. Dann wird es allerdings noch einmal richtig anstrengend. Zur Téryho chata geht es noch einmal 500 Höhenmeter bergauf, die wir teilweise über große Felsbrocken klettern müssen, mit dem Gewicht auf dem Rücken auch ein kleines Abenteuer. Bereits vor der Ankunft an der Hütte ist die Sonne schon hinter den Bergen verschwunden. Auch deshalb ist es auf dieser Höhe ist es ganz schön kalt und wir sind einfach nur platt, als wir endlich die Hütte erreichen. Ohne Pausen sind wir heute über 7 Stunden gelaufen, da schmeckt die Knoblauchsuppe und das anschließende Gulasch dafür gleich noch besser. Kleiner Makel dieser Hütte: Wir schlafen in sehr schmalen Stockbetten, bei denen wir ein bisschen Angst haben in der Nacht herauszupurzeln. Außerdem gibt es keine Dusche. Aber gut, in der Natur muss man auch damit rechnen und wir sind sowieso viel zu fertig um das wirklich zu realisieren. Außer uns und vier weiteren Gästen ist keiner auf der Hütte, auch hier ist wieder deutlich zu spüren dass wir eben außerhalb der Hauptsaison wandern.

Marcus, im Hintergrund der Zelenom Plese 
Wir überqueren am zweiten Tag den ersten Kamm
Tag 3 – Téryho chata -> Sliezsky dom
Heute macht uns die Tatsache, dass wir außerhalb der Saison laufen einen Strich durch die Rechnung, bzw. den von mir vorher ausgearbeiteten Plan. Von der Téryho chata, die bereits auf 2015m liegt, müssten wir eigentlich einen weiteren Kamm überqueren, um zur nächsten Unterkunft zu gelangen. Dieser Weg ist allerdings außerhalb der Saison gesperrt und man rät uns in der Hütte, ihn auf keinen Fall zu laufen, da dort Kletterpassagen zu meisten sind, die bei den derzeit herrschenden Wetterverhältnissen (Schnee und Eis auf dieser Höhe) lebensgefährlich sind. Später treffen wir Wanderer, die diese Passage trotz des Verbots gelaufen sind, diese sind jedoch auch entsprechend mit Seilen und Steigeisen ausgerüstet und scheinen auch noch etwas erfahrener zu sein als wir. Uns bleibt also nichts anders übrig, also den Weg, den wir gestern aufgestiegen sind, auch wieder herunterzugehen, den Berg auf halber Höhe zu umrunden und auf der anderen Seite wieder aufzusteigen. Nach 5,5 Stunden Gehzeit haben wir es geschafft und werden belohnt, diese Nacht schlafen wir in einem Wellnesshotel! Eine Stunde Saunanutzung ist im Übernachtungspreis enthalten und tut sooo gut nach den Strapazen der letzten Tage und der nicht vorhandenen Dusche am Vortag. Nach einem wahnsinnig leckeren Abendessen und tiefenentspannt fallen wir Abends totmüde ins Bett und sind bereit für die letzten zwei Etappen.

Abstieg von der Téryho chata 
Immer dabei: jede Menge Spaß!
Tag 4 – Sliezsky dom -> Popradské Pleso
Gut, dass wir so entspannt sind nach dem gestrigen Abend, denn heute regnet es in Strömen. Die vor uns liegende Etappe ist eigentlich die längste unserer Tour, allerdings führt sie auf den Gipfel des Rysy (2.503m) mit Übernachtung auf der Chata pod Rysmi. Auch diesen Teil unserer Tour können wir leider nicht wie geplant wandern, da die Besteigung des Rysy vor dem 15.06. nicht möglich ist und die Hütte ebenfalls geschlossen ist. Also übernachten wir im Berghotel Popradské Pleso, welches wie unsere erste Unterkunft an einem wunderschönen Bergsee liegt. An diesem Tag sind wir ziemlich froh, dass wir nur eine kleine Wanderung vor uns haben, da das Wetter wirklich alles andere als angenehm ist. Bei starken Windböen im Regen, weiter oben sogar in Schnee und Nebel, quälen wir uns mit Regenjacke und -hose durch die Berge und sind wahnsinnig froh, als wir nach immerhin 5 Stunden Wanderung am Hotel ankommen. Und dort gibt es sogar eine warme Dusche! Außerdem trinken wir einen leckeren Tatra Tea, ein Likör auf Teebasis, mit Kräutern aus der hohen Tatra verfeinert und gönnen uns erstmal etwas süßes.

Tag 5 – Popradské Pleso -> Tatranská Lomnica
Heute geht es zurück ins Tal! Wir sind geschafft von den letzten vier Tagen und freuen uns irgendwie auch, die 13kg auf dem Rücken wieder loszuwerden. Wir wandern gut vier Stunden zurück ins Tal zum Bahnhof, wo wir auch mal wieder ein paar mehr Menschen begegnen. Von Štrbské Pleso nehmen wir für 1,50€ pro Person (da könnte sich die Deutsche Bahn mal eine Scheibe abschneiden) die Tatrabahn zurück nach Tatranská Lomnica und fahren unterhalb der Strecke zurück, die wir in den letzten 4,5 Tagen gewandert sind.
Fazit
Wir hatten anstrengende, aber sehr schöne Tage in der Hohen Tatra. Die Hohe Tatra als höchster Teil der Karpaten ist auf jeden Fall anders als die Alpen, aber nicht weniger schön. Ohne Polnisch-/Slowakischkenntnisse war es teilweise etwas schwierig, sich mit den Menschen zu verständigen, große Probleme hatten wir allerdings auch nicht.
Preislich ist es günstiger als auf den Hütten in den Alpen, die Preise der Hütten kann man im Vorhinein über das Internet in Erfahrung bringen. In der Hauptsaison lohnt sich dort definitiv auch eine Reservierung, wir hätten Sie zu unserer Reisezeit eigentlich nicht gebraucht.
Wenn es möglich ist, würde ich das nächste Mal darauf achten, nicht außerhalb der Hauptsaison zu wandern. Wirklich gestört hat es uns jedoch nicht, dass wir ein bisschen von unserem Plan abweichen mussten, wir hätten ein paar Punkte (wie zum Beispiel des Rysy) aber auch sehr gern erlebt.
Alles in Allem hatten wir eine tolle Zeit in der Hohen Tatra, insbesondere die Kombination mit Krakau hat uns sehr gut gefallen und war definitiv eine Reise wert!
